Hinweis: Die folgenden Angaben beschreiben Aroma, übliche Temperaturbereiche und die traditionelle Verwendung dieser Pflanzen in der Kräuterkunde. Sie sind keine Aussagen über medizinische Wirkungen und ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder eine Apotheke.
Was ein Kraut zum Verdampfen taugen lässt
Entscheidend ist der Gehalt an ätherischen Ölen. Pflanzen, die schon beim Zerreiben deutlich duften, geben auch im Vaporizer etwas ab. Pflanzen ohne merklichen Eigengeruch liefern dagegen kaum Aroma, egal wie hoch Sie einstellen.
Die zweite Bedingung ist der richtige Trocknungsgrad. Zu feuchtes Material verdampft ungleichmäßig und lässt Wasser im Luftweg kondensieren. Komplett ausgetrocknetes Material hat sein Aroma dagegen schon an die Luft verloren. Gut ist Material, das sich zwischen den Fingern zerreiben lässt, ohne zu Staub zu zerfallen. Wer selbst erntet, findet die Schritte von der Ernte bis zur Lagerung im Beitrag Kräuter selbst trocknen.
Drittens zählt der Pflanzenteil. Blätter und Blüten geben ihr Aroma in der Regel bereitwillig ab, Stiele, Rinden und Wurzeln sind dichter und brauchen entweder mehr Hitze oder eine sehr feine Zerkleinerung. Für den Einstieg sind Blatt- und Blütenkräuter deshalb die unkompliziertere Wahl.
Übersicht gängiger Kräuter
| Kraut | Temperaturbereich | Aroma und traditionelle Verwendung | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Kamille | 100 bis 125 Grad | Klassiker der Kräuterkunde, sehr mildes, leicht süßliches Aroma | verträgt keine hohen Temperaturen, wird sonst schnell bitter |
| Lavendel | 100 bis 125 Grad | blumig-herbes Aroma, oft in Mischungen als Basisnote | sparsam dosieren, dominiert Mischungen schnell |
| Pfefferminze | 100 bis 150 Grad | frisch und kühlend, sehr präsent | bereits bei niedriger Temperatur sehr aromatisch |
| Melisse | 100 bis 145 Grad | zitronig-mild, angenehm als Mischungspartner | verliert getrocknet schnell an Aroma, frisch kaufen |
| Ingwer | ca. 130 Grad | scharf-würzig, sehr eigenständig | gut getrocknet und fein gemahlen verwenden |
| Damiana | 150 bis 170 Grad | in Mittelamerika traditionell genutzte Pflanze, herbes Aroma | in Deutschland frei erhältlich, oft als Mischungsbasis |
| Salbei | ca. 150 Grad | kräftig-herb, in der Kräuterkunde weit verbreitet | sehr intensiv, in Mischungen niedrig dosieren |
| Thymian | ca. 190 Grad | würzig-warm, verträgt höhere Temperaturen | einer der wenigen Kräuter im oberen Bereich |
| Eukalyptus | 130 bis 180 Grad | sehr klare, kühle Note | stark im Geschmack, nur kleine Mengen beimischen |
| Hopfen | 150 bis 190 Grad | bitter-herb, verwandt mit dem Bieraroma | Geschmackssache, in kleinen Anteilen interessant |
Die Bereiche sind Richtwerte aus der Praxis. Je nach Gerät, Messpunkt des Temperaturfühlers und Heizprinzip kann der passende Wert am eigenen Gerät etwas darüber oder darunter liegen. Wie Sie sich herantasten, beschreibt der Beitrag Temperatur richtig einstellen.
Was nicht in den Vaporizer gehört
- Pflanzen, die Sie nicht sicher bestimmen können. Wildsammlungen bergen Verwechslungsgefahr mit giftigen Arten. Pflanzen wie Fingerhut, Eisenhut, Tollkirsche oder Engelstrompete gehören grundsätzlich nicht in ein Inhalationsgerät.
- Aromatisierte Mischungen. Tees mit Fruchtstücken, Zucker, Aromazusatz oder Duftöl, aber auch Dekoware wie Potpourri oder Duftsäckchen-Füllungen.
- Material unklarer Herkunft. Ohne Angaben zu Anbau und Prüfung lässt sich nicht ausschließen, dass Pflanzenschutzmittel oder Verunreinigungen enthalten sind.
- Feuchtes oder schimmeliges Material. Muffiger Geruch, Flaum oder Verfärbungen sind ein Ausschlussgrund, auch nach erneutem Trocknen.
- Flüssigkeiten und Konzentrate in einer Kammer, die nur für getrocknete Kräuter ausgelegt ist.
Vorbereitung: vom Beutel in die Kammer
- Kraut auf Geruch, Farbe und Fremdbestandteile prüfen.
- Harte Stiele und grobe Bestandteile aussortieren.
- Mit einem Grinder auf eine Konsistenz wie grober Tee bringen.
- Kammer gleichmäßig füllen, nicht pressen.
- Am unteren Ende des Temperaturbereichs beginnen und in kleinen Schritten erhöhen.
Mischungen: der niedrigste Wert zählt
Sobald Sie mehrere Kräuter kombinieren, gilt der niedrigste Wert als Obergrenze. Mischen Sie Kamille (bis etwa 125 Grad) mit Thymian (etwa 190 Grad) und stellen auf 190 Grad, verbrennt die Kamille, bevor der Thymian in Fahrt kommt. Bewährt hat sich, eine milde Basis zu wählen und kräftige Kräuter nur in kleinen Anteilen beizumischen.
Eine Alternative zur Mischung ist die Reihenfolge: Erst das zarte Kraut bei niedriger Temperatur verdampfen, die Kammer leeren und dann das robuste Kraut bei höherer Temperatur nachlegen. So kommt jedes Kraut in seinem Bereich zur Geltung, und Sie lernen die einzelnen Aromen kennen, bevor Sie sie kombinieren.
| Grundsatz | Begründung |
|---|---|
| milde Basis, kräftige Akzente | Salbei, Eukalyptus und Lavendel überdecken andere Aromen schnell |
| höchstens drei Kräuter | bei mehr Bestandteilen lässt sich kein Aroma mehr zuordnen |
| Temperatur nach dem zartesten Bestandteil | verhindert, dass ein Teil der Mischung verbrennt |
| Anteile notieren | gelungene Mischungen lassen sich so wiederholen |
Wo Sie Material bekommen
Getrocknete Kräuter in guter Qualität gibt es in Apotheken, Reformhäusern, Kräuterläden und im Online-Handel. Achten Sie auf Arzneibuchqualität oder Bio-Zertifizierung: Diese Ware ist auf Pestizidrückstände geprüft, was bei Material zum Inhalieren ein sinnvoller Maßstab ist. Von sehr billiger Ware unklarer Herkunft raten wir ab.
Kaufen Sie lieber kleinere Mengen und dafür häufiger. Getrocknete Kräuter verlieren ihr Aroma mit der Zeit, und ein großer Vorrat ist nach einigen Monaten oft nur noch ein Schatten seiner selbst. Gelagert wird dunkel, trocken, luftdicht und getrennt nach Sorten.
Dosierung und Verträglichkeit
Auch pflanzliche Stoffe können in größeren Mengen unerwünschte Reaktionen auslösen, und Allergien gegen Korbblütler wie Kamille sind nicht selten. Beginnen Sie mit kleinen Mengen und einem einzelnen Kraut, bevor Sie Mischungen ausprobieren. Wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen, sprechen Sie die Anwendung vorher ärztlich ab - auch pflanzliche Stoffe können Wechselwirkungen haben.
Wer an Asthma oder einer anderen Atemwegserkrankung leidet, schwanger ist oder stillt, sollte das Inhalieren erhitzter Pflanzenstoffe vorab ärztlich besprechen. Kinder und Jugendliche gehören nicht an einen Vaporizer.
Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten
- bei anhaltendem Husten oder Kratzen, das auch bei niedriger Temperatur nicht nachlässt
- bei Atemnot, pfeifender Atmung oder Engegefühl in der Brust
- bei Schwellungen im Gesicht, an Lippen oder Zunge
- bei Hautausschlag oder Juckreiz nach der Anwendung
Akute Atemnot oder Schwellungen im Hals- und Gesichtsbereich sind ein Notfall: In diesem Fall wählen Sie den Notruf 112.
Ein Wort zu Cannabis
Cannabis wird häufig im Zusammenhang mit Vaporizern genannt. Die Rechtslage in Deutschland hat sich zum 1. April 2024 mit dem Konsumcannabisgesetz geändert; medizinisches Cannabis ist seit 2017 verschreibungsfähig. Was im Einzelfall erlaubt ist, hängt von Menge, Alter und Situation ab und ändert sich weiter. Wir geben hier bewusst keine Konsumempfehlung und keine Rechtsberatung - informieren Sie sich über die jeweils geltende Fassung der Gesetze. Zur medizinischen Anwendung von Inhalation als Darreichungsform siehe Vaporizer in der Medizin.
Häufige Fragen zu Kräutern im Vaporizer
Kann ich Kräutertee aus dem Supermarkt verwenden?
Reine Einzelkräuter ohne Zusätze lassen sich grundsätzlich verwenden, wenn sie trocken und frisch sind. Aromatisierte Mischungen mit Fruchtstücken, Zucker oder zugesetzten Aromen sind ungeeignet: Diese Zusätze karamellisieren in der Kammer, verkleben Siebe und schmecken verbrannt. Achten Sie außerdem auf die Feinheit, Teebeutelinhalt ist oft zu fein und setzt das Sieb zu.
Darf ich ätherische Öle in die Kammer geben?
Nein, sofern der Hersteller dafür keinen ausdrücklich vorgesehenen Einsatz anbietet. Flüssigkeiten verkleben die Kammer, laufen im ungünstigen Fall in Richtung Elektronik und sind in konzentrierter Form beim Einatmen reizend. Eine Kräuterkammer ist für getrocknetes Pflanzenmaterial gebaut.
Wie lange halten sich getrocknete Kräuter?
Das hängt von Pflanze und Lagerung ab. Dunkel, trocken und luftdicht gelagert behalten viele Kräuter ihr Aroma über Monate, verlieren es aber nach und nach. Riechen Kräuter beim Zerreiben kaum noch, liefern sie auch im Vaporizer wenig. Muffiger Geruch oder sichtbarer Belag sind ein Grund, das Material zu entsorgen.
Was tun, wenn ich nach dem Verdampfen husten muss?
Leichtes Kratzen deutet meist auf zu hohe Temperatur oder zu schnelles Ziehen hin. Senken Sie die Temperatur und ziehen Sie langsamer. Halten Beschwerden an oder treten Atemnot, Engegefühl, Schwellungen oder Hautreaktionen auf, beenden Sie die Anwendung und lassen Sie das ärztlich abklären, bei akuter Atemnot über den Notruf 112.
Zuletzt redaktionell geprüft: Oktober 2026